Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

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Bericht aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.04.2010 / Lokalteil Delitzsch-Eilenburger

Germanen machen sich selbst Druck

Radsport: Im German Cycling Cup gewinnt Renzo Wernicke das Rennen rund um Köln

Von Ditmar Wohlgemuth

standpunkt

Von Ditmar Wohlgemuth

Repräsentanten der Region

Der Start ist vollzogen. Und er war erfolgreich. Wie erwartet? Vielleicht! Erhofft auf jeden Fall. Die Radrennsportler des Teams Univega Germania Delitzsch zeigten sich in beeindruckender Form und belegten nach dem Auftaktrennen in der Jedermannbikerszene in der Gesamtwertung souverän den ersten Platz. Man(n) trägt Gelb, jetzt erst recht. Ein wenig düpiert hatten die Pedalritter um Renzo Wernicke die Konkurrenz bereits beim Start. Bereits dort erschien die gesamte Mannschaft geschlossen und einheitlich in gelber Rennbekleidung. Sozusagen ein Vorgeschmack auf das, was als klare Kampfansage gedeutet werden konnte– und sollte. Selbstbewusstsein demonstrieren, ohne überheblich rüberzukommen, ist stets eine Gradwanderung. Nicht jeder Kontrahent kann damit fair umgehen. Dabei ist es doch das Leben selbst, das von den Menschen verlangt, sich tagtäglich aufs Neue zu beweisen. Wer mit dem Sport, egal in welcher Disziplin, von Klein an groß wird, entwickelt Persönlichkeitseigenschaften, die er für sich, für sein Leben mitnimmt. Wenn sich dann zum jahrelangen Training der Erfolg gesellt, wie eben auch bei den Hand-, Fuß- und Volleyballern der Stadt, dann wächst nicht nur das persönliche Ansehen, dann wird auch eine Region präsentiert, die bereits seit langer Zeit Einzigartiges auf hohem sportlichen Niveau erreicht hat. Daraus sollte noch mehr zu machen sein.
@d.wohlgemuth@lvz.de

Delitzsch. An diesem Tag war er anerkanntermaßen und ausnahmslos der stärkste Fahrer im Feld. Renzo Wernicke, der Mittdreißiger aus Delitzsch, gewann das Auftaktrennen im German Cycling Cup (GCC) rund um Köln. Der Kapitän des Univega-Germania-Delitzsch-Teams legte mit seiner Leistung den Grundstein für einen Erfolg, der ihm als auch der Mannschaft das gelbe Trikot brachte. Im Schlussspurt aus einer 50-Mann-Gruppe überfuhr das Kraftpaket Wernicke als Erster den Zielstrich.
Der Startschuss für das Rennen über knapp 130 Kilometer fiel am Ostermontag um 9.30 Uhr. Die Männer im sonst orangenen Trikot trugen diesmal Gelb. Nico Wernicke hatte das Hemd des Vorjahressieger überstreifen dürfen. Das Delitzscher Team startete von weit vorn und entging so den sonst ersten hektischen Kilometern. Man hielt sich immer im vorderen Drittel auf und fuhr aufmerksam mit. Schon nach rund 25 Kilometern begann das ständige Auf und Ab in der Streckenführung. Bereits bei den ersten Anstiegen zeigte Renzo Wernicke, wie viel Kraft in seinen Beinen steckt. Das fiel nicht nur dem eigenen Team auf. „Nach der Hälfte des Rennes war klar: Wir bekommen heute nichts geschenkt“, erzählte Renzo Wernicke. Jedes Team hatte seine Hausaufgaben gemacht. „Das Niveau dieser Jedermannbikeszene ist im Vergleich zum Vorjahr extrem angestiegen“, schätzten einhellig die Fahrer der bereits etablierten Teams ein. Doch gerade so mache aber der Radsport Spaß, hieß es weiter. Nach 60 Kilometern stürzte Gerit Meyer und verletzte sich. Christian Müller bekam bei Kilometer 75 einen Platten und Michael Rinke (alle Univega-Team) verlor nach einem Fahrfehler seines Vordermannes den Anschluss. Alle drei hatten bis dahin sehr gut für das Team gearbeitet. Auf den letzten 20 Kilometern waren noch drei Germanen in der Spitzengruppe vertreten. Nico Wernicke beschrieb die letzten Rennkilometer so: „Eine taktische Option hatten wir noch. Rund 5000 Meter vor dem Ziel attackierte Franco (Loreck) und fuhr mit einem Mitstreiter dem Ziel entgegen. Es sah bis 1000 Meter vor dem Ziel sehr vielversprechend aus. Unsere Verfolgergruppe nahm dann aber richtig Fahrt auf und Renzo fuhr an das richtige Hinterrad, um den Sieg für das Team Univega zu holen. 300 Meter vor dem Ziel wurde Franco wieder gestellt und der Sprint eröffnet. Im richtigen Moment scherte Renzo aus und überholte Sandro Kühmel (DKV Neff) und gewann das größte Prestige-Rennen des Frühjahrs.“ Die letzten drei Sieger beim Köln-Challenge heißen übrigens mit Nachnamen Wernicke. Der Erfolg bleibt damit in der Familie. Mit dem achten Platz durch Franco Loreck und dem 13. Platz durch Nico Wernicke wurde das Teamergebnis komplettiert und der Sieg in der

Mannschaftswertung errungen. Mit dem gelben Trikot startet Renzo Wernicke am 25. April zum zweiten GCC-Rennen in Göttingen.
Die Fahrer des Germania-Teams haben viel für diesen Auftaktsieg getan. Tiefstapeln wollen die Männer nicht. „Es soll Spaß machen, aber wir wollen auch den Erfolg“, erklären sie selbstbewusst. Mit dem selbst auferlegten Druck werden sie leben müssen, auch die Konkurrenz schläft nicht. Vielleicht sieben Jedermann-Teams seien dabei, die genau so professionell den Radsport betreiben wie sie selbst.
Bereits Tage zuvor hatte Renzo Wernicke auf dem Sachsenring seine Klasse unter Beweis gestellt. Aus einer Drei-Mann-Spitzengruppe gewann er klar den Schlussspurt.
Christian Müller, Michael Rinke und Franko Loreck – die drei jungen Wilden – sorgten im Vorfeld bereits für einen Paukenschlag. Müller sicherte sich den Sieg beim 100 Kilometer-Rennen in Groß Dölln. Loreck hatte ihm in einer 14-Mann-Spitzengruppe unterstützt und kam selbst noch auf Rang fünf.
Beim Klassiker Berlin-Bad Freienwalde-Berlin erkämpfte sich Loreck einen dritten Rang und sorgte innerhalb von 24 Stunden für einen weiteren Podiumsplatz für die Orange-Truppe.

Der Delitzscher Renzo Wernicke im gelben Rennanzug hängt sich voll rein. Nach 129 Kilometern rund um Köln siegt der 37-Jährige im Zielsprint aus einer Drei-Mann-Spitzengruppe. Foto: privat