Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

 

 

 

 

 

 

Leipziger Volkszeitung/Kreiszeitung Delitzsch-Eilenburger vom 08.11.2006

Knatternder Motor als Schrittmacher auf der Bahn

Französischer Oldtimer aus den 30er Jahren in Quering restauriert

Von Lutz Schmidt
Quering. Rot und gelb pufft es aus den beiden Rohren an der rechten Seite des Zweirades. Dazu knattert der Motor über Gebühr laut. Fast nicht vorzustellen, dass mehrere solcher Maschinen bei Steherrennen vor den Radsportlern ihre Bahnen ziehen. Auf der Straße würde bei dem Motorenklang sicher sofort jeder Ordnungshüter die Kelle heben.
Dieses Gefährt hat Peter Dorn aus Quering in den vergangenen Monaten liebevoll restauriert und die um 1930 in Frankreich gebaute Maschine beim Treffen der Radsportfreunde im Queringer Rosenstübel vorgestellt (wir berichteten). Die reden übrigens nicht von einer Maschine oder einem Motorrad, sondern sagen als Experten schlicht „Motor“ zu dem Fahrzeug. Dieses gehörte einst dem Schrittmacher Günter Albrecht aus Leipzig, der bis 1990 aktiv war. Das Queringer Fahrzeug war allerdings schon 1966 in den Ruhestand versetzt worden. 40 Jahre später blinkt es nun wie in seinen besten Zeiten. Viele Stunden hat Dorn daran gearbeitet. „Ich war regelrecht happy, als ich es bekam“, sagt er heute noch strahlend.
Der Motor war zwar festgefahren, die Reifen platt und ein Radlager musste gewechselt werden. Doch für den gelernten Autoschlosser und Oldtimerfreak war das alles kein Problem. Er setzte noch eines drauf, ließ Teile vernickeln und blau lackieren. „Beim Abkratzen habe ich noch rote Farbe bemerkt“, erzählt er. Diese war bei Rennen die Nationalitätskennung der französischen Steher, während Blau den Deutschen vorbehalten war. Zwischen 1928 und 1934 wurden von den Franzosen nur 50 solcher 30-PS-Maschinen gebaut. Damit ist das Stück ein tolles Highlight in der Sammlung des Queringers. Der hat sogar im Flur seiner Wohnung ein NSU-Motorrad stehen, zwei EMW-Kräder gehören ebenfalls zu seinen Glanzstücken wie auch ein Touren-Awo mit Seitenwagen. Nicht zu vergessen sein Faible für alte Traktoren.
Die Liebe zu den Fahrzeugen muss ihm wohl mit in die Wiege gelegt worden sein. „Schon in der dritten oder vierten Klasse“, erinnert er sich, „wollte ich einen alten Kinderwagen mit einem SR2-Mopedmotor zum Fahren bringen.“ Mit 14 Jahren hatte er ein eigenes Moped und drehte, wenn der Vater gerade seinen Mittagsschlaf hielt, mit einem 125er-ES-Motorrad auf dem Hof schnell mal einige Runden.
Das Oldtimer-Schrittmacherfahrzeug hat übrigens keine Kupplung. Zum Anhalten muss schlicht der Motor ausgemacht werden. Das ist bei 90 Sachen nicht ganz ohne, stellte Dorn auch schon mal bei einer Probefahrt fest.

Peter Dorn

Peter Dorn (links) stellt beim Treffen der Radfreunde in Quering seine restaurierte Maschine aus den 30er Jahren vor. Diese erhielt von dem Schrittmacher-Fahrer Günter Albert aus Leipzig (Mitte). Sachkundige Blicke warf auch Steher-Radrennfahrer Fritz Heinrich auf den historischen Motor. Foto: Thomas Jentzsch