Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V

 

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 11.08.2009 Leipziger Volkszeitung , Sportteil Delitzsch-Eilenburg
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Delitzscher Radrennfahrer Renzo Wernicke sagt Weltmeisterschaft ab /
Knieoperation im September
 

Von DITMAR WOHLGEMUTH

Delitzsch. Nur noch wenige Tage sind es bis zum Beginn der UCI Rad Masters 2009 (Amateur-Weltmeisterschaft) im österreichischen Sankt Johann. Am 23. August wäre auch der Delitzscher Radrennfahrer auf sein Velo gestiegen und hätte sich mit Sportlern aus 50 Nationen einen Wettstreit geliefert. Der Vize-Weltmeister von 2005 muss seine Teilnahme nun aber endgültig absagen. Sein Zielsprintsieg nach 75 Kilometern beim SparkassenGiro in Bochum, der als solcher nicht anerkannt wurde (wir berichteten), war das vorläufig letzte Rennen für den 36-Jährigen. Er wird Anfang September am Kreuzband operiert.
Die Enttäuschung versuchte Renzo Wernicke zu verbergen. Noch im Dezember 2008 hatte er in dieser Zeitung verkündet: „Ich will Weltmeister werden.“ Mit dem Kampf um die begehrte Trophäe des Amateurradsports wird er in diesem Jahr nichts zu tun haben. Wernicke nimmt es dennoch sportlich:
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“
Der Grund für seine Absage ist so simpel wie schmerzhaft. Ein Kreuzband im linken Knie ist gerissen und macht das Gelenk instabil. Die Prozedur der jetzt folgenden Operation kennt der durchtrainierte Sportler bereits. Vor zwei Jahren war das rechte Knie dran.

In guten Händen befindet sich Radrennfahrer Renzo Wernicke bei Physiotherapeutin Anja Lorenz. Doch auch ihre Künste haben Grenzen. Zumindest macht sie es möglich, dass der Delitzscher an acht Rennen des German Cycle Cup erfolgreich teilnehmen kann. Foto: Ditmar Wohlgemuth

Im September 2008 büßte er links das Kreuzband bereits schon einmal ein. Passiert ist das bei einem Landesliga-Fußballspiel seines Vereins VfL Eintracht Bitterfeld, in dem der Radrenner auch aktiv war. Er musste unters Messer. Die Rehabilitation verlief perfekt. Nach zweijähriger Pause stieg Wernicke wieder aufs Rad, weil sich für ihn „alle Ballsportarten erledigt“ hatten. Er gründete das Team Univega-Germania-Delitzsch. Dann das Missgeschick beim Treppenaufstieg. Wieder riss das operierte Kreuzband. „Eigentlich kann ich mich nur mit dem Rad schmerzfrei fortbewegen“, erzählte Wernicke. Immer wieder schwoll das Knie an. Dem Wissen und der Erfahrung von Physiotherapeutin Anja Lorenz sei es zu danken, dass er immer wieder fit wurde, um acht Rennen in der German-Cycle-Cup-Serie erfolgreich zu bestreiten. Wohlgemerkt, das alles mit einem gerissenen Kreuzband.
„Ich bin Leistungssportler. Ich weiß, wann der Zeitpunkt erreicht ist, bei dem man sich entscheiden muss“, sagte er. Eigentlich habe er sich in seinem Trainingszustand viel weiter gewähnt, als er bei objektiver Betrachtung derzeit ist. Immer wieder, und das auch bei allen Rennen der Saison, spukte bei ihm im Kopf der Gedanke von der WM-Teilnahme herum. „Darauf wollte ich mich so optimal wie möglich vorbereiten. Ich bin auch besser geworden, doch eben nicht so gut, dass ich um den WM-Titel mitfahren könnte.“ Der Anspruch des 36-Jährigen ist hoch. Bestimmt würde er auch ganz vorn mit dabei sein, aber das reicht ihm, dem ehemaligen Vize-Weltmeister, nicht. Um die Form zu erlangen, bei der Masters-WM-Spitze zu sein, reicht die Zeit nicht mehr. Und mit der Verletzung ist ein Start aus gesundheitlicher Sicht auch nicht drin. Dass es bei der GCC-Serie so gut lief, ist für den ehemaligen Profi in einem Jedermannrennen erklärlich: „Das ist die Oberliga, die WM ist im Vergleich dazu die Bundesliga, ein ganz anderes Kaliber und drei Klassen höher“, schreibt Wernicke. Anfang September wird sich der Rennfahrer zu Thomas Barthels in Halle begeben. Der anerkannte Orthopäde wird das Knie wieder stabilisieren. Barthels Praxis ist übrigens auch Anlaufpunkt für verletzte Handballer von Concordia Delitzsch. Mannschaftsarzt Martin Pyschik ist in die dortige Praxis integriert.
„Mindestens neun Wochen Pause sind das für mich zunächst. Wenn alles gut geht, beginne ich im Dezember wieder mit leichtem Kraft- und Ausdauertraining“, weiß Versicherungsvertreter Wernicke und stellt bereits in Aussicht: „2010 greife ich wieder an. Dann will ich den Titel.“
Auf die nächsten zwei Rennen seines Teams in Univega-Ausstattung wird der Delitzscher verzichten müssen. Um so mehr drückt er der Mannschaft die Daumen für den Gesamtsieg. „Sie haben es drauf, sie werden es schaffen“, ist sich der ausgebremste Radrenner sicher.