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25.07.2009 Leipziger Volkszeitung ,
Sportteil Delitzsch-Eilenburg
Jan Ullrich geschlagen – dem Sturm getrotzt
Döbernitzer Radsport-Senior Hans-Dieter Pfordte (72) geht
beim größten Rennen der Welt in Afrika auf die
107-Kilometer-Distanz
Von Daniel Kaiser Döbernitz/Kapstadt.
Als Startnummer 22042 ging Hans-Dieter Pfordte in Kapstadt auf die
Strecke. Im Ziel lag der Döbernitzer auf Rang 7748. Er hatte bei
der 34. Auflage der Cape Argus Pick’N’Pay Cycletour, dem
mit 35000Teilnehmern größten Radrennen der Welt, über
10000 Pedalritter überholt. Die Sensation: Auch der
Ex-Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich musste sich dem 72-Jährigen
am Ende mit knapp sechs Minuten Rückstand geschlagen
geben.
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 Geht mit Startnummer 22042 auf die
Straße. Kommt als 7748. im Ziel an: Hans-Dieter Pfordte tritt
beim größten Radrennen der Welt in Kapstadt in die Pedale.
Foto: Daniel Kaiser
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Ich habe mir gesagt: Wenn du schon mal hier bist, gibst du
doch wegen einer solchen Lappalie nicht einfach auf!
Hans-Dieter Pfordte ist sein Alter nicht anzusehen. Der
72-Jährige peitscht seine Rennräder im Jahr zirka 12000
Kilometer über den Asphalt. Meistens reicht ihm die vom
Streckenprofil her monotone Einöde des Landkreises Nordsachsen
dabei nicht aus. Das Döbernitzer Urgestein sucht die
Herausforderung – und findet sie. Dabei verschlägt es den
Modell-Radsportler (70Kilogramm bei 1,78Meter Körpergröße)
in die ganze weite Welt. In diesem Jahr brach er auf, die Straßen
Kapstadts zu erobern. Cape Argus Pick’N’Pay Cycletour nennt sich
der spektakuläre Wettlauf auf den Velos in Südafrika. Die
eintägige Wettfahrt ist alljährlich das größte
Jedermannrennen der Welt auf der Kap-Halbinsel und führt die
tausenden Pedalritter auf einer 107Kilometer langen Strecke rund um
den 6500 Hektar großen Tafelberg.
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Pfordte ist erstmals
dabei. Beim Radweltpokal in St. Johann (Tirol) lernt er eine
Radsportgruppe aus Löbau (bei Görlitz) kennen. Er hört
von deren Vorhaben, das Projekt auf dem Schwarzen Kontinent anzugehen
und klinkt sich ein. Am Ende bezeichnet der gelernte Maurer und
ehemalige Eisenbahner den dreiwöchige Tripp, bei dem er nicht
für seinen Heimatverein Germania Delitzsch, sondern gemeinsam
mit den acht Teamkollegen für Löbau antritt, als „gelungene
Kombination zwischen Urlaub und Sport“. Am Wettkampftag ertönt
der Startschuss um 6.30 Uhr. AA, der erste Startblock mit 500
Radlern, wird auf die Straße gelassen. Wenige Augenblicke
später folgen die 500 Starter aus Block AB, dann AC... Pfordte
steht sehr viel weiter hinten. Über ihm hängt ein Banner
mit der Aufschrift „LL“. Nach etwa vier Stunden ist das komplette
Feld auf der Piste. Doch von den 35000 angemeldeten Startern kommen
am Ende nur 25557 im Ziel an. Grund: Ein Sturm, der sich bereits im
Vorfeld angekündigt hatte. 5000 Ambitionierte verlässt
schon vor dem Antritt der Mut. Ein großer Teil muss dem
orkanartigen Wind, der mit bis zu 100 Stundenkilometern über die
Strecke hinwegfegt, Tribut zollen. Pfordte gehört nicht zu
ihnen. „Ich habe mir gesagt: Wenn du schon mal hier bist, gibst
du doch wegen einer solchen Lappalie nicht einfach auf!“, erklärt
der Radsport-Senior. Schließlich trainierte er einst unter
profiähnlichen Bedingungen beim Armeesportklub (ASK) Vorwärts
Leipzig. Schließlich hat er schon alle großen
DDR-Straßenrennen in den Beinen. Schließlich blickt er
auf eine Karriere mit 30 bis 40 Siegen zurück. Schließlich
wurde er 1970 DDR-Meister mit der Vierer-Mannschaft. Und
schließlich haben auch die Organisatoren in Kapstadt die
Strecke trotz der schwierigen Verhältnisse freigegeben. Pfordte
tritt also kräftig in die Pedale. Mit seinem 20-gängigen,
7,2Kilo leichtem Sport-Rennrad kämpft er sich durch den Wind.
Während sich viele seiner Mitstreiter zwischenzeitlich sogar
flach auf den Boden legen, um den Böen zu entgehen, zieht der
Nordsachse sprichwörtlich durch. Platz um Platz schleicht er
sich nach vorn. Pfordte erinnert sich: „In diesem Moment bist du
heiß. Da spürst du keinen Schmerz. Da wirst du förmlich
getragen.“
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Der Döbernitzer Hans-Dieter Pfordte (Zweiter von links)
genießt auch den Urlaubs-Aspekt des Südafrika-Tripps. Auf
dem Bild steht er am Kap der Guten Hoffnung, dem südwestlichsten
Punkt des afrikanischen Kontinents. Foto: privat
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Der Streckenverlauf der Cape Argus Pick’N’Pay Cycletour in
Kapstadt führt die Teilnehmer rund um das Tafelberg-Plateau.
Karte: Tour-Magazin
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Im Grunde war ich aber viel zu langsam. Eigentlich hatte ich
mir eine Zeit von dreieinhalb Stunden vorgenommen.
Die Konkurrenz rauscht links und rechts an ihm
vorbei. Etwa 10000 Zweiräder sind es am Ende, an denen sich die
Startnummer 22042 quasi ins Ziel zieht. Die Bilanz ist beeindruckend:
Rang 14in der Altersgruppe Ü70, Platz zehn im Startblock LL.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 24,76km/h. Nach 4:26:32 Stunden
überquert Pfordte die Ziellinie. Ein gewisser Jan Ullrich folgt
bei 4:32:20Stunden. Der 35-jährige Ex-Radprofi muss sich an
diesem Tag zwischen False Bay und Atlantischem Ozean nicht wie so oft
Lance Armstrong, sondern dem Sturm, den schwierigen Bedingungen und
schließlich auch dem 72-jährigen Hans-Dieter Pfordte
geschlagen geben. Das Resümee des Döbernitzers fällt
dennoch sehr verhalten aus: „Wir hatten auf etwa 70 Prozent
Gegenwind. Das war schon sehr hart. Im Grunde war ich aber viel zu
langsam. Eigentlich hatte ich mir eine Zeit von etwa dreieinhalb
Stunden vorgenommen. Zufrieden bin ich nicht.“ Denn die Gründe
für die verlorene Stunde lagen keinesfalls beim Wind, stellt
Pfordte klar. „Am Ende war ich sogar froh, dass ich überhaupt
noch ins Ziel kam. Ich habe mich einfach falsch ernährt und zu
wenig getrunken.“ Dieser Fauxpas stamme noch aus DDR-Zeiten. Denn
damals hatten die Athleten trainiert nach dem Motto: „Wer trinkt,
verliert“. Dass dieses Prinzip unter der 28 Grad warmen Sonne
Südafrikas nicht zutrifft, muss sich Pfordte am Kapstädter
Renntag eingestehen. Dennoch kann der Senior, der im Jahr 1990 den
traditionellen Radsportverein (RV) Germania Delitzsch erneut aus der
Taufe hob und seine Geschicke bis 1998 als Vorsitzender lenkte,
durchaus stolz auf sich sein. Denn die rettende Ziellinie beim
größten Radrennen der Welt haben am Ende auch sehr viele
wesentlich jüngere Teilnehmer nicht erreicht.
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