Radfahrerverein Germania Delitzsch e.V.

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Leipziger Volkszeitung-Kreiszeitung  vom 31.12.2008
„Ich will Weltmeister werden“
Renzo Wernicke trainiert für Amateur-WM
Loberstadt wird mit neuer Männermannschaft wieder zur Radsporthochburg

 

Mit zirka 30 Kilometern pro Stunde im Durchschnitt schießt Renzo Wernicke drei Stunden wöchentlich über die Landstraßen der Loberstadt. 2009 will der 35-Jährige Weltmeister werden.
Fotos: Daniel Kaiser

Von Daniel Kaiser
Delitzsch. Am 23. bis 30. August 2009 finden im österreichischen Sankt Johann die UCI Rad Masters statt. Die Jedermann-Weltmeisterschaft ist das größte Radrennen der Welt. 3500 Teilnehmern aus 50 Nationen kämpfen um die begehrte Krone des Amateurradsports. Auch Renzo Wernicke wird an der Startlinie im Sattel sitzen. Der Delitzscher geht für das Team „Univega-Germania Delitzsch“ auf die Strecke. Ehrgeizige Ziele hat sich der 35-Jährige für das Großereignis vorgenommen: „Ich will Weltmeister werden.“

Dieter Wernicke aus Delitzsch liebt die Geschwindigkeit. Er liebt den frischen Luftzug auf den Wangen. Er liebt die Fliehkräfte in den Kurven. Wernicke ist Motorradrennfahrer. Seinem Sohn legt er die Leidenschaft für hohes Tempo in die Wiege. Er tauft ihn auf den Namen Renzo, benannt nach Renzo Pasolini, jenem italienische Regenspezialist, der 1973 in Monza bei einem der dramatischsten Unfälle der Rennsportgeschichte ums Leben kam.
Bis heute steht Dieter Wernicke bei seinem Sohn hoch im Kurs. „Er hat stets ein offenes Ohr und vermag es, mich selbst in Situationen des Misserfolges zu motivieren“, sagt Wernicke Junior über sein Vorbild. Sportliche Idole dagegen hat er nicht. Selbst aufs Motorrad darf Renzo Wernicke nicht steigen. ,Viel zu gefährlich’, empfindet sein alter Herr. Renzo klettert daher aufs Fahrrad und sprintet zunächst für die Kaderschmiede des Radsportclubs in Cottbus. Als 18-Jähriger fährt er in verschiedenen Profiteams und sammelt vier Jahre lang Bundesligaerfahrungen. „Bis zu meinem 30. Lebensjahr war der Radsport alles für mich“, sagt der selbstständige Versicherungskaufmann heute. Dann rückt die Familie in den Focus des Pedalritters. Er steigt ab. Nicht vom Velo, sondern lediglich in das Amateurlager. 2005 verpasst er bei den Weltmeisterschaften der Jedermänner den goldenen Titel um schlappe vier Sekunden. Danach schmeißt ihn ein Kreuzbandriss von den Pedalen. Er fällt drei Jahre aus.
Nun will der Spezialist für Ein-Tages-Renen wieder angreifen. Sein Ziel für die Weltmeisterschaft im österreichischen Sankt Johann: der WM-Titel. „Ich möchte für mich wissen, was noch möglich ist“, sagt Wernicke. Gemeinsam mit zehn weiteren Fahrern gründet er zum Jahresbeginn 2009 das Team „Univega-Germania Delitzsch“. An der Seite von Radsportgrößen wie Thilo Schüler (Friedensfahrt-Etappensieger) verhilft er der Loberstadt damit zu jener Hochburg des Radsports, die sie einst war. „Mir war wichtig, einen Verein in meiner Heimat zu finden und die Stadt Delitzsch auf den Straßen dieser Welt zu repräsentieren“, sagt Wernicke. Er wendet sich an den DDR-Meister, WM-Teilnehmer und „Germane“ Hans Dieter Pfordte. Der 1891 gegründete Traditionsverein empfängt die Pedalritter sogleich mit offenen Armen. „Ich freue mich, dass wir nach einer längeren Durststrecke nun wieder ein Männerteam in unseren Reihen aufnehmen. Wir haben natürlich viel Glück gehabt, dass die Jungs auf uns zugekommen sind“, sagt Carsten Krause. Der Vorsitzende des Delitzscher Radsportklubs erhofft sich sogleich einen Schub für den Verein. „Renzo und seine Kollegen sind große Vorbilder für die Kinder- und Jugendlichen“, erklärt der 41-Jährige.
Im August wird es Wernicke auf der 126 Kilometer langen Strecke in Österreich vor allem mit der Konkurrenz aus Frankreich, Spanien und Italien zu tun bekommen. Sein 6000-Euro-Ross mit Vollcarbonrahmen, Vollcarbonrädern und hochwertiger Dura-Ace-Ausstattung verhilft dem Radathleten zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zirka 40 bis 45 Kilometern pro Stunde.
Fünfmal wöchentlich trainiert Wernicke. Neben Athletik-, Kraft und Fitnesseinheiten sowie Joggen erobert er rund drei Stunden die Landstraßen rings um die Kreisstadt. Zwischen April und September wird er jedes Wochenende unterwegs sein. Bei Straßenrennen, Einzelzeitfahren und Wettkämpfe in der Kategorie „Kriterium“ (Radrennen auf kurzen, mehrmals zu befahrenden Rundkursen) absolviert er unter anderem Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften und Ein-Tages-Rennen. Zirka 25000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen. „Ich sehe mich als Amateur auf sehr hohem Niveau, nahe am Leistungssport“, erklärt Wernicke. Bereits Ende Januar steht das erste große Trainingslager an. Dann wird sich der Handballfan auf den Trassen Mallorcas schinden – damit die Konkurrenz aus 50 Nationen in Sankt Johann nur das Hinterrad des Delitzschers zu sehen bekommt.

Zum Jahresbeginn 2009 gründet Renzo Wernicke das Team „Univega-Germania Delitzsch“. Auf zahlreiche Titel und Trophäen kann der 35-Jährige schon zurückblicken. Spätestens im August nächsten Jahres soll der ganz große Erfolg, der WM-Titel, einschlagen.


Radsport in Delitzsch – 1891 ging’s los

Hintergrund

Der Radsportverein Delitzsch wird 1891 gegründet. Während des zweiten Weltkrieges ruht die Vereinstätigkeit gänzlich. 1950 wird die Sektion Radsport unter der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Lok Delitzsch gegründet. Der Hallenradsport entwickelte sich bis zur obersten Spielklasse, den Rennsportbetrieb leitet der Delitzscher Paul Peterson. 1961 sind zur Vorbereitung auf die Friedensfahrt alle teilnehmenden Nationalteams in Delitzsch. 12000 Zuschauer verfolgen das Geschehen. 1970 wird der Delitzscher Hans Dieter Pfordte DDR-Meister mit der Vierer-Mannschaft. 1990 entsteht der RV Germania als selbstständiger Verein. Der Klub hat heute 53 Mitglieder. Ab 2009 stellt Germania wieder ein Männerteam.