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Von Daniel Kaiser Delitzsch. Am
23. bis 30. August 2009 finden im österreichischen Sankt Johann
die UCI Rad Masters statt. Die Jedermann-Weltmeisterschaft ist das
größte Radrennen der Welt. 3500 Teilnehmern aus 50
Nationen kämpfen um die begehrte Krone des Amateurradsports.
Auch Renzo Wernicke wird an der Startlinie im Sattel sitzen. Der
Delitzscher geht für das Team „Univega-Germania Delitzsch“
auf die Strecke. Ehrgeizige Ziele hat sich der 35-Jährige für
das Großereignis vorgenommen: „Ich will Weltmeister
werden.“
Dieter Wernicke aus Delitzsch liebt die Geschwindigkeit. Er liebt
den frischen Luftzug auf den Wangen. Er liebt die Fliehkräfte in
den Kurven. Wernicke ist Motorradrennfahrer. Seinem Sohn legt er die
Leidenschaft für hohes Tempo in die Wiege. Er tauft ihn auf den
Namen Renzo, benannt nach Renzo Pasolini, jenem italienische
Regenspezialist, der 1973 in Monza bei einem der dramatischsten
Unfälle der Rennsportgeschichte ums Leben kam. Bis heute
steht Dieter Wernicke bei seinem Sohn hoch im Kurs. „Er hat stets
ein offenes Ohr und vermag es, mich selbst in Situationen des
Misserfolges zu motivieren“, sagt Wernicke Junior über sein
Vorbild. Sportliche Idole dagegen hat er nicht. Selbst aufs Motorrad
darf Renzo Wernicke nicht steigen. ,Viel zu gefährlich’,
empfindet sein alter Herr. Renzo klettert daher aufs Fahrrad und
sprintet zunächst für die Kaderschmiede des Radsportclubs
in Cottbus. Als 18-Jähriger fährt er in verschiedenen
Profiteams und sammelt vier Jahre lang Bundesligaerfahrungen. „Bis
zu meinem 30. Lebensjahr war der Radsport alles für mich“,
sagt der selbstständige Versicherungskaufmann heute. Dann rückt
die Familie in den Focus des Pedalritters. Er steigt ab. Nicht vom
Velo, sondern lediglich in das Amateurlager. 2005 verpasst er bei den
Weltmeisterschaften der Jedermänner den goldenen Titel um
schlappe vier Sekunden. Danach schmeißt ihn ein Kreuzbandriss
von den Pedalen. Er fällt drei Jahre aus. Nun will der
Spezialist für Ein-Tages-Renen wieder angreifen. Sein Ziel für
die Weltmeisterschaft im österreichischen Sankt Johann: der
WM-Titel. „Ich möchte für mich wissen, was noch möglich
ist“, sagt Wernicke. Gemeinsam mit zehn weiteren Fahrern gründet
er zum Jahresbeginn 2009 das Team „Univega-Germania Delitzsch“.
An der Seite von Radsportgrößen wie Thilo Schüler
(Friedensfahrt-Etappensieger) verhilft er der Loberstadt damit zu
jener Hochburg des Radsports, die sie einst war. „Mir war wichtig,
einen Verein in meiner Heimat zu finden und die Stadt Delitzsch auf
den Straßen dieser Welt zu repräsentieren“, sagt
Wernicke. Er wendet sich an den DDR-Meister, WM-Teilnehmer und
„Germane“ Hans Dieter Pfordte. Der 1891 gegründete
Traditionsverein empfängt die Pedalritter sogleich mit offenen
Armen. „Ich freue mich, dass wir nach einer längeren
Durststrecke nun wieder ein Männerteam in unseren Reihen
aufnehmen. Wir haben natürlich viel Glück gehabt, dass die
Jungs auf uns zugekommen sind“, sagt Carsten Krause. Der
Vorsitzende des Delitzscher Radsportklubs erhofft sich sogleich einen
Schub für den Verein. „Renzo und seine Kollegen sind große
Vorbilder für die Kinder- und Jugendlichen“, erklärt der
41-Jährige. Im August wird es Wernicke auf der 126 Kilometer
langen Strecke in Österreich vor allem mit der Konkurrenz aus
Frankreich, Spanien und Italien zu tun bekommen. Sein 6000-Euro-Ross
mit Vollcarbonrahmen, Vollcarbonrädern und hochwertiger
Dura-Ace-Ausstattung verhilft dem Radathleten zu einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von zirka 40 bis 45 Kilometern pro
Stunde. Fünfmal wöchentlich trainiert Wernicke. Neben
Athletik-, Kraft und Fitnesseinheiten sowie Joggen erobert er rund
drei Stunden die Landstraßen rings um die Kreisstadt. Zwischen
April und September wird er jedes Wochenende unterwegs sein. Bei
Straßenrennen, Einzelzeitfahren und Wettkämpfe in der
Kategorie „Kriterium“ (Radrennen auf kurzen, mehrmals zu
befahrenden Rundkursen) absolviert er unter anderem
Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften und Ein-Tages-Rennen.
Zirka 25000 Kilometer kommen so im Jahr zusammen. „Ich sehe mich
als Amateur auf sehr hohem Niveau, nahe am Leistungssport“, erklärt
Wernicke. Bereits Ende Januar steht das erste große
Trainingslager an. Dann wird sich der Handballfan auf den Trassen
Mallorcas schinden – damit die Konkurrenz aus 50 Nationen in Sankt
Johann nur das Hinterrad des Delitzschers zu sehen bekommt.
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Zum Jahresbeginn 2009 gründet
Renzo Wernicke das Team „Univega-Germania Delitzsch“. Auf
zahlreiche Titel und Trophäen kann der 35-Jährige schon
zurückblicken. Spätestens im August nächsten Jahres
soll der ganz große Erfolg, der WM-Titel, einschlagen.
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